Der „neue“ Haselbacher Römerstein   Vor kurzem aktualisiert!


von C. Brandner

Eine Erinnerung an Haselbachs Rolle in der Antike, unser Römerstein

Der Haselbacher Römerstein wurde urkundlich erstmals vom bayrischen Geschichtsschreiber Johannes Aventinus (1477-1534) in seiner Chronik des Augustinerklosters Ranshofen erwähnt. Er schreibt, dass der Stein 1510 unweit der Kirche in Haselbach gefunden wurde. Es handelt sich um einen Votivstein, den römische Eltern für ihre Söhne, die wohl hier Besatzungssoldaten waren, anfertigen haben lassen. Er ist das größte bekannte Braunauer Relikt unseres römischen Erbes. Sein Fundort unterstützt die Vermutung, dass die römische Salzach-Inn Uferstraße (Salzburg / Iuvavum – Passau / Boiodurum) durch Haselbach führte.

Seine Inschrift lautet:

VICTORIA AUG. L. RESTITUT PERPETUUS.
ET ATTINIANA MATRONA PRO SC: E. RESTITUTIS.
E. FLORINO FILIIS V.S.L.L.M.

und lässt sich wie folgt übersetzen:

Der erhabenen Siegesgöttin haben Lucius Restitutus Perpetuus und Attiniana seine Frau für sich und alle Restitute, besonders für ihre Söhne Restitutus und Florinus diesen Votivstein gerne und mit Recht machen lassen.

Der Stein wurde von den Chorherren in das Stift Ranshofen (dem Haselbach seit einer Schenkung durch Frau Siegeburch 1085 gehörte) verbracht und dort Jahrhunderte im Conventgarten aufbewahrt. Im Zuge der Säkularisierung des Chorherrenstiftes Ranshofen 1811, wurden seine Schätze in die ganze Welt verstreut oder zerstört. Diese Gefahr bestand auch für den Haselbacher Römerstein. Der Braunauer Heimatforscher Hugo von Preen hat Gott sei Dank dafür gesorgt, dass der Stein seitdem geschützt vor Wetter und Mensch im Braunauer Museum in der Herzogburg betrachtet werden kann.

Im Zuge der Dorferneuerung hat sich die interessierte Haselbacher Bevölkerung u.a. auch angeregt durch Kons. A. Stelzl an „ihren“ Stein erinnert und versucht ihn wieder nach Haselbach zu bekommen. Verständlicherweise verblieb der Stein im Museum. Eine Förderung der O.Ö. Landesregierung ermöglichte es aber 2008 dem Haselbacher Dorferneuerungsverein eine Kopie des Römersteines anfertigen zu lassen und an der Westseite der Valentinskirche aufzustellen.

 

 

Die Kopie des Römersteines an der Westseite der Valentinskirche

Seitdem sind einige Jahre vergangen und es zeigte sich, dass dieser Standort zwischen Kirche und Haselbacher Gehweg leider stark von winterlicher Streusalzaufbringung betroffen war. Der Stein litt zusehends und brach trotz Reparaturversuchen im Winter 2019/20 endgültig (s. Foto u.). Im Frühjahr 2020 beschloss deshalb der Vorstand des Haselbacher Dorferneuerungsvereines sich in Zusammenarbeit mit der Stadtgemeinde, der Besitzerin des Steines, für eine Erneuerung des von Streusalz zerstörten Steines einzusetzen.

Nach verschiedenen Ansätzen und Versuchen auf der Basis von 3-D Laservermessung und 3-D Modellen mit einem 3-D Drucker Kopien vom Original aus verschiedenen Kunststoffen anfertigen zu lassen, entschloss man sich dann doch dazu, die handwerklichen Fähigkeiten des Juniorchefs der Steinmetzfirma B&C in Braunau zu nutzen und einen neuen Stein ganz traditionell aus Untersberger Marmor (wie das Original im Museum) anfertigen zu lassen. Unter der Mithilfe von Mag. W. Klimesch der Fa. ARCHEONOVA entstand letztlich eine wunderschöne auf „alt“ getrimmte Kopie (s. Foto), die mit Genehmigung der Pfarre auf einen streusalzsicheren Standort an der Bründlkapelle aufgestellt wurde. Dieser neue Aufstellungsort entspricht auch nach heutigen Erkenntnissen eher seinem ursprünglichen Fundort. Denn die magische und heilende Kraft des Augenbründlwassers war sicher auch den Menschen der Römerzeit bekannt und Grund dafür, diesen Ort zu frequentieren. Der logische Ort zur Aufstellung eines Votivsteines, zumal es damals die Kirche noch nicht gab.

 

Der zerstörte „alte“ und

der „neue“ Römerstein mit Jeremias Bruckbauers Steinmetzzeichen am Sockel

 

 

 

 

 

Das sehr beliebte Verweilplätzchen an der Bründlkapelle hat einen wunderschönen Blick auf unsere seit 2016 in vielen Einzelschritten mühselig vom Einsturz gerettete und letztlich doch so schön restaurierte St. Valentinskirche. Mit dem neu gefertigten „alten Römerstein“ wurden die jahrelangen Renovierungsarbeiten an dem Kirchenbauwerk selbst, der Inneneinrichtung, den Kirchenglocken, der Christusfigur am Kriegerdenkmal, der Inneneinrichtung der Valentinskapelle und schlussendlich mit der Erneuerung des Römersteines abgeschlossen. Mit dem „neuen“ Römerstein wurde das Verweilplätzchen an der Valentinskapelle weiter aufgewertet.

 

Das Verweilplätzchen an der Valentinskapelle mit Römerstein