Geblieben sind nur Gräber


Die Journalistin Elke Grumbach berichtet über den Hasebacher Soldatenfriedhof

 

Soldatenfriedhof Braunau – Geblieben sind nur Gräber

Von Elke Grumbach

 

Ein historisches Monument und Denkmal im Braunauer Ortsteil Haselbach ist der Soldatenfriedhof. Die weitläufige Anlage zieht so manchen Besucher an, auch Schulklassen aus Pfarrkirchen und Braunau sowie ausländische Deligationen besuchen den Friedhof.

Der Braunauer ÖSK-Obmann Erwin Forsthofer, der für die Pflege des Soldatenfriedhofs zuständig ist, weiß genau Bescheid.

 

Geschichte

Ursache

Im 1. Weltkrieg im Jahr 1914 wurden unter der Militärverwaltung der K. u. K. Monarchie Österreich-Ungarn in verschiedenen Bundesländern Kriegsgefangenenlager errichtet. Das Lager Braunau/St. Peter wurde beiderseits der Mattig von Dietfurt bis Aching gegen den Willen der Braunauer Bürger gebaut. Mehr als zwanzigtausend Kriegsgefangene waren dort untergebracht. Am Anfang waren es Russen, Serben und Kroaten, die unter einfachsten Bedingungen leben mussten, später kamen italienische Kriegsgefangene dazu. Lagerberichte dazu befinden sich heute in den Militärarchiven Wien und Innsbruck.

 

Entstehung im 1. Weltkrieg

Von 1915 – 1918 wurde der Friedhof in drei Etappen großzügig angelegt. Die Bestattung der 1460 Verstorbenen erfolgte schon damals nach ihrer Religionszugehörigkeit. Orthodoxe, Katholiken, Protestanten, Juden und Mosleme wurden in Einzel- und Mehrfachgräbern beigesetzt. Die Todesursache war meist Unterernährung und Krankheit/Typhus. Unter ihnen befanden sich auch 31 österreichische Soldaten, die im Lager als Aufsichtsorgane stationiert waren. Die ca. 12.000 m² große Fläche wurde auf der Westseite des Lagers angelegt und eingezäunt. Die Lagerleitung hatte für Bestattungen eine eigene Piätät, vier Männer und ein Geistlicher waren für die Begräbnisse zuständig. Einige Kriegsgefangene wählten den Freitod, um der Schwere der Gefangenschaft zu entgehen. Lokale Zeitzeugen berichteten kritisch über die Verhältnisse in diesen Lagern. Mütter trauerten um ihre Söhne, die nie mehr in die Heimat zurückkehrten.

 

Verantwortliche

Eigentümer des Friedhofs ist der österreichische Staat und wird durch die BIG-Bundesimmobiliengesellschaft verwaltet. Der Friedhof besitzt durch die Siegermächte einen internationalen Status, dadurch haben die Toten ein bleibendes Ruherecht. In Österreich werden Soldatenfriedhöfe durch das Österreichische Schwarze Kreuz (ÖSK), einer zivilen Organisation, die sich durch den Grundsatz „ohne Ansehen der Person, der Nation und der Religion“ bei ihren Tätigkeiten auszeichnet. Auch österr. Soldatenfriedhöfe, die sich im Ausland befinden, werden durch das ÖSK unterstützt. Die Finanzierung der notwendigen Pflege erfolgt großteils durch die alljährlichen Allerheiligensammlungen auf den Friedhöfen.

 

  1. Weltkrieg

21 Jahre nach der Entstehung des Friedhofs brach der 2. Weltkrieg aus. 56 russische Zivilisten, Männer und Frauen, die im Bezirk Braunau Zwangsarbeit verrichteten, fanden ihre letzte Ruhestätte im Soldatenfriedhof.

1941 brachten italienische Staatsbürger Baumsetzlinge zur Bepflanzung des Friedhofs und legten damit den Grundstein zu einem Waldfriedhof.

 

Entwicklung 1960 – 2011

In den 60er Jahren wurde der Friedhof von Herbert Schuldenzucker (verstorben) vorbildlich betreut. Das Ehepaar Lüdemann aus Hamburg arbeitete in den Sommermonaten der Jahre 1970 bis 1972 an einer Neugestaltung. Diese beispielhafte Aktion erfolgte im Rahmen der deutschen Kriegsgräberfürsorge mit Unterstützung von Studenten aus Norwegen, Frankreich und Deutschland. 1982 nahm die Stadtgemeinde Braunau unter der Leitung vom Haselbacher Gregor Fuchs verschiedene Tätigkeiten vor, insbesondere die Renovierung italienischer Kreuze und  Errichtung von Namensdenkmälern. In den Jahren danach wurde der Baumbestand durch Trockenheit, Stürme und Eisregen reduziert.

2003 war eine allgemeine Sanierung notwendig. Erwin Forsthofer wurde vom Ehrenvizepräsident, Konsulent Karl Harner/ÖSK, mit der Friedhofspflege betraut. Drei Jahre dauerten die umfassenden Arbeiten, in denen ein würdiger Zustand erreicht wurde. Diese Tätigkeit förderte die Stadtgemeinde Braunau durch Mithilfe des städtischen Bauhofs. Die Bevölkerung nahm die Neugestaltung positiv auf. Im Sommer 2005 wurden vier Kleindenkmäler für die jeweilige Religionszugehörigkeit sowie zwei Schautafeln aufgestellt. Im Oktober 2006 fand erstmals eine große, feierliche ökumenische Gedenkfeier statt, bei der alle Glaubensvertreter, italienische Besucher und der Kameradschaftsbund vertreten waren. Einen wesentlichen Beitrag dazu brachte ÖSK-Kurator Mag. Florian Kotanko durch ausgezeichnete Organisationstätigkeit ein.

In den folgenden Jahren verursachten drei Stürme, „Paula“, „Kyrill“ und „Emma“ große Schäden. Mitglieder der FF Haselbach halfen vorbildlich bei den Aufräumarbeiten. Notwendige Nachpflanzungen wurden vom ÖSK und von Privatpersonen aus Braunau und aus dem niederbayrischen Raum gespendet. Seit zwei Jahren wird das aufwändige Rasenmähen durch das AMS/FAB als Vergabearbeit erledigt.

 

Im Oktober 2010 verstarb der langjährige ÖSK-Ehrenvizepräsident Konsulent Karl Harner. Er wurde in Überackern bei einem feierlichen „Innviertler Ehrenbegräbnis“ beigesetzt.

ÖSK Obmann Erwin Forsthofer erhielt durch seine Arbeit 2005 das kleine und 2008 das große Ehrenkreuz vom ÖSK, auch Mitarbeiter der Stadtgemeinde Braunau wurden vom ÖSK ausgezeichnet. Kurator Florian  Kotanko erhielt  das große goldene ÖSK-Ehrenzeichen im Jahr 2010.

 

Zu Allerheiligen werden zum Gedenken der Toten Kränze auf die Grabstätten gelegt,  verantwortlich sind dafür das ÖSK, die Stadtgemeinde Braunau und das Land OÖ.