Am Haselbach durch Haselbach


Eine Wanderung entlang des  Baches und die damit verbundenen Erinnerungen an das dörfliche Haselbach

 

Am Haselbach durch Haselbach

Das Quellgebiet des Haselbaches erstreckte sich am Fuß der eiszeitlichen Terrasse der heutigen nördlichen Böschung der Umfahrungsstraße, vom Quellenweg bis zur Burgfriedstrasse. Die alte Betonkuppel der Quellenstube beim Pfadfinderheim ist noch heute zu sehen. Von diesem Ursprung fand der Bach seinen Weg über das Gelände des Freizeitzentrums am Sepp Auer Weg entlang zu unserem Dorf. Dabei nahm er noch beim Zeughaus der Haselbacher Feuerwehr neben unbenannten Gräben, die Quellbäche Erlach und Mühlach auf. Er durchquerte unser Dorf entlang der Haselbacher Straße zwischen dem Mesner- und dem Dorfwirtshaus, verfolgte die kleine Hangkante Richtung Dietfurt, um dort in die Mattig zu münden.

Der Haselbach heute,   unterhalb der Querung der Raitfeldstrasse

Der Haselbach heute, unterhalb der Querung der Raitfeldstrasse

 

Die vielen Haselnusssträucher, die auch heute noch entlang des früheren und heutigen Bachlaufes wachsen, sind der Namensgeber für den Bach und auch für unser Dorf. Wanderte man kurz nach dem 2. Weltkrieg den Haselbach von seiner Quelle ausgehend entlang nach Osten, befand man sich in einer kleinbäuerlich geprägten, offenen Wiesenlandschaft.

Der oben beschriebene Verlauf des Baches galt bis 1548. Damals wurde der Bach vom Magistrat der Stadt Braunau dem Bayerischen Herzog abgekauft und umgeleitet. Diese Umleitung wurde notwendig, um den gestiegenen Brauchwasserbedarf der Braunauer Bürger und Handwerker zu decken und auch um die mehr und mehr als Festung ausgebaute Stadt zu schützen. Mit dem Wasser des Haselbaches, der im Stadtbereich Stadtbach heißt, wurden im Kriegsfall nicht nur die Gräben der Feste gefüllt, sondern das gesamte Glacis versumpft, um jeden Angriff auf Braunau zu erschweren.

So blickte man noch um 1950 vom Turm der Stadtpfarrkirche Braunau über offene Landschaft nach Haselbach

So blickte man noch um 1950 vom Turm der Stadtpfarrkirche Braunau über offene Landschaft nach Haselbach

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Die Buttinger Sölde

Der Blick reichte nahezu ungehindert vom Dörflein Haselbach im Osten bis zum tiefer gelegenen Braunau im Südwesten. Auf der Wanderung entlang des Haselbaches kam man zuerst am Heiligengeisthäusel vorbei und dann an der Buttinger Sölde. Dieses etwa 400 Jahre alte Holzhaus an der Raitfeldstrasse gehört der Familie Haider.

Links neben dem Feuerwehrzeughaus und direkt am Bach findet man  die Michlbauer Kapelle. Sie wurde ca. 1750 aus Dank für die Heilung des Besitzers des Michlbauerngutes von der Epilepsie gestiftet. Vielleicht half da auch das Wasser des Augenbründls?Über die Straße hinweg waren es nur einige Schritte zum Bach. Dort nutzte man ein kleines Brückerl um Wäsche zu schwemmen und die Milchkannen zu kühlen. Der Bach war da schon etwa 1,5 m breit und 50 cm tief und verstärkte sich noch deutlich, als er einige Meter weiter den Zufluss der Mühlach und der Erlach aufnahm.

Möglicherweise hieß die Mühlach so, weil sie auch die kleine Fischermühle neben dem Feuerwehrzeughaus antrieb.

Ringl Haus vulgo Fischermühle

Ringl Haus vulgo Fischermühle

Fischermühle ist der Hausname des Ringl Hauses. Aus heutiger Sicht kaum zu glauben, dass in diesem kleinen Haus noch vor einer Generation eine zehnköpfige Familie samt vier Kühen und allerlei Federvieh lebte.

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Links am Dorfeingang das Ringl Haus, rechts der Rabenbauerhof, im Hintergrund die St. Valentins Kirche

Einige Meter weiter am Bach entlang konnte man auf der anderen Straßenseite den Rabenbauerhof sehen, die Wohn- und Wirtschaftsgebäude eines großen Bauerngutes. Sein Name leitet sich von Rabe ab und kann möglicherweise mit der Richtstätte auf der Haiden (am Burgfried von Braunau) in Verbindung gebracht werden.

Die kompakteste Zone des Dorfes bestand südlich der Valentinskirche aus dem Lanzsacherl (früher ein Holzhaus, Bj. ca. 1760), dem Mesnerhaus, dem Mühlhoferhaus  (Traunwieser Sacherl, heute Zeller) von etwa 1850 und dem Dorfwirtshaus auf der anderen Seite des Bachs und der Straße.Nun gelangt der Bach links am Dorfzentrum vorbei zu dem Wehr, mit welchem er in Richtung Braunau umgeleitet wurde. Das alte Bachbett in Richtung Dietfurt in verkümmerter Form ist als Pfaffenmoosgraben bekannt. Auch von diesem Punkt aus konnte man gut erkennen, dass Haselbach keineswegs ein geschlossenes kompaktes Dorf, sondern eher eine Streusiedlung mit wenigen Bauernhöfen und Wohnhäusern war.

Links oben das alte Dorfwirtshaus der Familie Wagner mit Gastgarten (auf der gegenüberliegenden Seite der Haselbacherstrasse), rechts das Wirtshaus, das Mesnerhaus und die Kirche

Links oben das alte Dorfwirtshaus der Familie Wagner mit Gastgarten (auf der gegenüberliegenden Seite der Haselbacherstrasse), rechts das Wirtshaus, das Mesnerhaus und die Kirche mit Mühlhoferhaus (Traunwieser Sacherl

Im Mesnerhaus befand sich einst das Rentamt Haselbach, das Steueramt und der Gerichtssitz. Im Erdgeschoss wohnte der Mesner, im 1. Stock war die Verwaltung einquartiert. Die Geistlichkeiten mussten vom Kloster Ranshofen zum Messe lesen nach Haselbach und wieder zurück fahren, da diese nur im Kloster übernachten durften.

Das Dorfwirtshaus scheint laut KG Osternberg 1875 gebaut worden zu sein. Der Gastgarten befand sich damals noch nordseitig vom Gebäude auf der gegenüberliegenden Strassenseite. 1912 erwarb die Brauerfamilie Stechl das Anwesen, um es 1940 im Stil des Stechlgutes in Maxglan bei Salzburg umzubauen.

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Der Haselbacher Wirt in den 1960er Jahren, im Besitz der Fam. Stechl, rechts dahinter der Kramerladen der Fam. Schmutzler

2004 kauften Helmut Bogner und seine Frau Gerti das lange leer stehende Gasthaus. Sie bauten es zu einem der schönsten Gasthäuser der Gegend mit einer hauseigenen Brauerei  um und eröffneten es 2007.

Springen wir zurück zum Wehr, an dem der Haselbach zuerst nach Norden und dann nach Westen umgeleitet wurde. An der Biegung nach Westen treffen wir auf die Valentinskapelle mit dem Augenbründl. Der im Volksmund so genannte „Schimmelpfarrer“ Dominik Fiedler ließ die Valentinskapelle 1902 von Baumeister Anton Danna erbauen. Sie beherbergt eine Anzahl recht ansehnlicher Schnitzfiguren, alles Arbeiten des Braunauer Bildschnitzers Georg Wagner. Ihre Vorgängerin war eine einfache Holzkapelle, die etwa 5 m südlich der jetzigen Lage stand.

Gleich dahinter liegen der Oberweiher und der Stechlweiher. Beide sind etwa um 1790 künstlich angelegte Vertiefungen im damals ohnedies sehr sumpfigen Gelände.

Am Stechlweiher fühlt sich auch die Jugend wohl

Am Stechlweiher fühlt sich auch die Jugend wohl

Im Winter war der Stechlweiher ein begehrter Tummelplatz für Eisstockschützen und Eisläufer. Da es noch keine Kühlanlagen gab, wurde das Eis in Stangen aus dem Stechlweiher geschnitten und in die Bierkeller gebracht. Einer davon befindet sich noch immer unter den jetzigen Gärbottichräumen der Hausbrauerei Bogner. Bis zur Errichtung des Freizeitzentrums fand der Teich im Sommer regen Zuspruch von Badenden.

Der Teichweg, der bis zur Rainerstrasse führt, war früher der Hauptweg von der Stadt (Linzer Tor) nach Haselbach. Erst nach Auflösung der Braunauer Bastion wurde die strikte Begrenzung der Zuwegung durch die Tore aufgegeben. Jahre später (ca. 1900) wurde zur Einweihung der neuen (leicht nach Norden verlegten) Valentinskapelle beschlossen, den Haselbacher Gehweg etwa mit dem heutigen Linienzug zu errichten.

Folgen wir nun diesem in Richtung Braunau, haben wir freien Blick bis zur Haselbacher Mühle, damals noch viel niedriger, bis zum Bahnhof und bis in die Stadt.

Die Mühle am Haselbacher Gehweg aus dem Jahr 1920 Von vorne links: Josef und Johanna Eder, Mühlenbesitzer; der spätere Nachfolger Josef Zeilinger; ein Müllerbursch und einige Zuschauer

Die Mühle am Haselbacher Gehweg aus dem Jahr 1920
Von vorne links: Josef und Johanna Eder, Mühlenbesitzer; der spätere Nachfolger
Josef Zeilinger; ein Müllerbursch und einige Zuschauer

Auf dem Weg zur Haselbacher Mühle begleitet uns rechterhand ein Grünstreifen, der sich bis in die Stadt zieht, die grüne Lunge Braunaus, heute beliebt bei vielen Spaziergängern, Hundefreunden und Sportlern. Früher, zur Blütezeit der Braunauer Tuchmacher, am Ende des Mittelalters, war das eine beliebte und wichtige Bleiche für das begehrte Braunauer Tuch.Erinnern wir uns, wir wandern in den 1950er Jahren, noch vor der einsetzenden Bautätigkeit der Nachkriegszeit. Die großen Grünflächen sind den verschiedenen noch verbliebenen Gütern zuzuordnen, die um den 1. Weltkrieg mehr und mehr in Sacherl aufgeteilt wurden. Waren die Güter meist noch stolze Höfe, die reichen Braunauern (Brauereibesitzer) gehörten, so waren Sacherl gerade groß genug um 2 Kühe, etwas Kleinvieh und eine meist vielköpfige Familie  eher schlecht als recht zu ernähren.

 

Die Haselbacher Mühle um 1950

Die Haselbacher Mühle um 1950

Herr Josef Zeilinger (Großvater von Josef, Peppi Zeilinger) wurde 1940 neuer Mühlenbesitzer. Die Mühle wurde vergrößert und der traditionelle Mahlstein mit Beutelkasten von einer damals moderneren Walzenmühle ersetzt. Der Antrieb dieser Mühle erfolgte noch immer ausschließlich durch den kräftigen Wasserfluss des Haselbaches. An der Mühle, dem Endpunkt unserer Wanderung, sehen wir, dass der Haselbach etwa 2 m breit und über einen Meter tief ist und genügend Wasser führt, um wie über hunderte von Jahren die Mühle mit einem unterschlächtigen Wasserrad anzutreiben. Zur Mühle gehörte ein Wohnhaus, welches früher einmal das Haus Nr. 298 der Stadt Braunau war, ein Stall für zwei Kühe, Schweine und Federvieh.

Vor 1870 war sie eine Ölstampfmühle (Besitzer Stockhammer). 1871 baute der neue Besitzer Johann Nömmer die Ölstampfmühle zu einer Getreidemühle um. Nachbesitzer Reichinger verkaufte 1902  den Mühlenbetrieb an Josef Eder (Großvater von Christian Brandner), der diese dann 1940 an Zeilinger übergab.

Nach der Mühle unterquert der Haselbach bald den Laaber Holzweg und heißt nun endgültig Stadtbach. Aus dem einst stolzen Haselbach ist heute ein bescheidenes Bächlein geworden, das nicht mehr die Kraft hat, Mühlen zu betreiben. Sein Quellgebiet wurde bei den Erschließungsarbeiten im Gebiet des Freizeitzentrums durch die Kanalisation zerstört, sodass das wenige Wasser, welches heute im Bach fließt, weitgehend künstlich hinzugeführt werden muss.Aufgrund von Wassermangel musste die Mühle um 1965 elektrifiziert werden. Leopold Hammer mit Gemahlin übernahm den Mühlenbetrieb 1964 und führte ihn bis 1995. Aufgrund des Aufkommens von Großmühlen europaweit, konnten sich kleinere Mühlen aus Kostengründen nicht mehr halten. Somit gab es auch bei dieser Mühle keine Nachfolger mehr, was das Ende einer langen Tradition bedeutete.

Der alte Haselbach noch in den 50er Jahren in seiner vollen Stärke am Zusammenfluss mit der  Mühlach (heute komplett trocken), unterhalb der Raitfeldstraße

Der Haselbach in seiner alten Größe noch in den 50er Jahren am Zusammenfluss mit der Mühlach (heute komplett trocken), unterhalb der Raitfeldstraße