Das Dorf in der Stadt und der Dorferneuerungsverein


Die Entwicklung der Haselbacher Dorferneuerung – eine Erfolgsgeschichte aus der Sicht der Stadtplanung.

 

Auszug aus „Unser Haselbach“ 2011, Dorferneuerungsverein Haselbach.

 

Die Haselbacher Kirche vom Bahnweg aus gesehen

Die Haselbacher Kirche vom Bahnweg aus gesehen

Landschaftlich geprägt durch die direkt an den Dorfkern angegliederte Grünzone, dem „Haselbachfeld“ mit dem „Stechlweiher“ und dem Wasserlauf des Stadtbaches, hat sich um die Wallfahrtskirche mit dem Mesnerhaus, dem Kirchenwirt, einer Greißlerei und einer Bauernsölde ein kleiner prägnanter, eigenständiger Dorfkern entwickelt, der bis heute in seiner Struktur und Form erhalten geblieben ist.

Waren es noch in der Frühzeit vorwiegend einige größere Bauernhöfe und kleinere typische Bauernsölden, die sich im Umfeld des Dorfkerns gruppierten, so setzte mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der Nachkriegszeit und der damit verbundenen rasanten Bautätigkeit städtebaulich eine Entwicklung ein, die aus dem Dorf Haselbach einen Ortsteil Haselbach entstehen ließ, der sich bandartig entlang des Stadtbaches bis zum historischen Stadtkern von Braunau fortsetzte.

Ausschnitt aus dem Flächenwidmungsplan Haselbach

Ausschnitt aus dem Flächenwidmungsplan Haselbach

Mit einem rechtskräftigen Flächenwidmungsplan und begleitenden Bebauungsplänen in den 80er Jahren wurde versucht, diesem negativen städtebaulichen Trend gegenzusteuern. Weiters wurde der Dorfkern von Haselbach mit dem „Haselbachfeld“ als wesentliche naturräumliche Grünzone erklärt und war bzw. ist von jeder weiteren Bebauung frei zu halten.

 

 

 

 

Engagierte Haselbacher gründen den Dorferneuerungsverein 1991

 

Bereits im Jahr 1991 wurde die Kernzone von Haselbach in die Aktion „Dorf- und Stadtentwicklung“ (DOSTE) des Landes OÖ aufgenommen. Die Administration und Koordination des neu gegründeten Arbeitskreises für Dorferneuerung wurde dem Baudirektor der Stadt Braunau Mag.arch. Ingomar Engel übertragen.

Dieser Arbeitskreis engagierter Haselbacher/Innen, Vertretern der Fraktionen im Gemeinderat sowie Mitarbeitern des Stadtamtes hat gemeinsam mit der Ortsplanerin Arch.DI. Helga Lassy und intensiver Bürgerbeteiligung ein Ortsentwicklungskonzept mit einem Maßnahmen- und Zielkatalog ausgearbeitet, welcher neben der Erhaltung, dem Schutz und der Sanierung der typisch dörflichen Baustruktur auch Maßnahmen zur Erhaltung der Kulturlandschaft bzw. insbesondere die geistige Dorferneuerung in ihren Mittelpunkt stellte.

Heute ist aus dem Arbeitskreis von 1991 ein Dorferneuerungsverein mit ca. 80 Mitgliedern geworden.

Man kann feststellen, dass viele Maßnahmen aus dem Ortsentwicklungskonzept bereits umgesetzt werden konnten und es gelungen ist, den Haselbacher/Innen die Freude am eigenen Dorf wieder finden zu lassen. Aus dieser Freude resultiert auch die Bereitschaft, das Dorf in seinen Außen- und Innenräumen als Lebensraum bewusst zu erhalten bzw. mitzugestalten.

Dorferneuerung ist also ein Prozess, in dessen Verlauf ein Ort nicht nur im baulich-technischen und wirtschaftlichen, sondern auch im gesellschaftlichen Bereich in die Lage versetzt wird, den sich ständig wandelnden Ansprüchen der Bewohner und der Gesellschaft gerecht zu werden. Dorfentwicklung geschieht mit der Zeit und ist ein langfristiges Unternehmen. Die seit dem Jahr 1992 geleistete Arbeit des Dorferneuerungsvereines ist vielfältig, umfangreich und erfolgreich, ein Musterbeispiel praktizierter Dorferneuerung, wie das Land OÖ feststellt.

 

Man trifft sich wieder gerne im Dorfwirtshaus

Man trifft sich wieder gerne im Dorfwirtshaus

Besonderer Handlungsbedarf war auch im sozio-kulturellen Bereich gegeben: Der traditionelle Kirchenwirt als beliebtes und gut bürgerliches Ausflugs- und Dorfwirtshaus und Zentrum von aktivem Vereins- und Kulturleben schloss erbbedingt vor vielen Jahren seine Pforten und ein großer Teil aller bisherigen Veranstaltungen und Vereinstätigkeiten verlagerte sich in andere Ortsteile. Dass die Revitalisierung dieses traditionellen Gasthauses dann doch im Jahr 2007 vom engagierten Wirteehepaar Bogner mustergültig umgesetzt wurde, zeigt, dass man in der Dorfentwicklungsarbeit die Hoffnung nie aufgeben soll.

 

 

 

 

 

 

 

Das Dorf5

Neben diesem sicherlich wesentlichen Projekt für das Dorfleben von Haselbach seien noch beispielhaft folgende bis heute erfolgreich umgesetzte Maßnahmen/ Projekte angeführt:

– Straßenraumgestaltung im Dorfzentrum
– statische Sanierung und Sicherung des Mesnerhauses
– Buswartehäuschen
– Aktion Holzzäune
– Buttingersölde
– Ortsbeleuchtung
– Wiederaufstellung des Römersteines
– Neugestaltung des Augenbründls

– Renovierung der Valentinskapelle

– Sanierung Dachstuhl und Aussenfassade Mesnerhaus

– Sanierung erster Abschnitt Hasebacher Gehweg

– Ausholzung vom Haselbach

– Renaturierung und Verbesserung der Wasserführung des Haselbaches    (laufend)

– Renovierung der Michlbauerkapelle und Neugestaltung ihres Umfeldes    (laufend)

– Überprüfung statischer Probleme an den Gewölben und dem          Dachstuhl der Valentinsirche

– Restaurierung der Sonnenuhr am Turm der Valentinskirche (laufend).

Aber auch zum kulturellen Leben in Haselbach wurde im Verband mit den übrigen Dorfvereinen Wesentliches beigetragen: Dorffeste, Dorfabende, Valentinschor, Fronleichnam, Erntedankfeste…

Durch Teilnahmen an vom Land OÖ veranstalteten Ortsbildmessen prädentiert sich Haselbach öffentlich und landesweit.

Der Dorferneuerungsverein hat sich auch für die Zukunft weitere Ziele gesetzt. Neben der Aufgabe, die Bürger zu ermutigen, sich in ihre eigenen Angelegenheiten einzumischen, insbesondere sich um die Entwicklung ihres Ortes selbst zu kümmern und sich so mit ihrem Wohnort verbunden zu fühlen, gilt es alles zu unternehmen, um die Identität des „alten Haselbach“ zu schützen und zu bewahren. Dem gelungenen Beispiel der Neugestaltung des Augenbründls und der Sanierung der Valentinskapelle sollen noch etliche „schlummernde Kleinode“ folgen.